Neues Fachbuch „Auf den Punkt – Didaktisch reduziert lehren und präsentieren“

Am 31. Mai 2017 erscheint im SPEKTRAmedia-Verlag mein zweites Fachbuch zum Thema „Didaktische Reduktion“. Die Zusammenarbeit mit dem Verlag und Lektorat erlebte ich sehr angenehm. Diese Tage geht Version 11 des Manuskripts in den Druck. Die Auflage beträgt 2000 Ex. und ich bin guter Dinge, dass die kleinen handlichen Bücher rasch ihr Publikum finden werden. Bereits im Vorfeld habe ich zahlreiche und zum Teil grössere Bestellungen aus meinem Netzwerk erhalten. In diesem Artikel berichte ich über die Unterschiede zum ersten Buch, bringe Textbeispiele und erläutere den interessanten Schreibprozess.

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Was ist der Unterschied zum ersten und rasch vergriffenen Buch „Reduziert gewinnt!“ ? Augenfällig ist besonders der Seitenumfang: das neue Buch umfasst nur noch 52 Seiten, statt 164. Es kommt damit um vieles schlanker, direkter … eben auf den Punkt gebracht daher.

In Absprache mit dem Verlag wählte ich einen neuen Fokus und will im Unterschied zum ersten Fachbuch, welches sich an Berufsschullehrende und Fachdozenten richtete, mit diesem Buch ein breiteres Publikum, besonders auch aus dem Bereich HR, Personal Development und alle, die vor Publikum präsentieren wollen, ansprechen.

Während bei „Reduziert gewinnt!“ noch ein Ausrufezeichen im Titel steht, vielleicht stellvertretend für die Lebendigkeit des damals in Rekordzeit geschriebenen Textes, sowie autobiographische Erfahrungen aus diesen prägenden Jahren in der Lehrerfortbildung in Kuba, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen, habe ich das HRM-Dossier Nr. 76 auf Nüchternheit getrimmt.

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Dazu gehörte auch, etwas Abstand von der eher freieren und mitunter auch humoristisch eingefärbten Schreibweise im ersten Buch zu nehmen. Damals war ich auf diese Passage ab Seite 72 besonders stolz – und fand es mutig vom Verlag, die Stelle nicht rauszustreichen:

      Unser Bildungsprojekt in Kuba geht nun in das dritte Jahr. Wir arbeiten jetzt eng mit der kubanischen „Esperanto-Vereinigung“ (Kuba Esperanto-Asocio, KEA) zusammen. Mit ihren Verantwortlichen verbinden uns gute Kontakte, angenehme Arbeitserfahrungen und tanzfreudige Abschiedsfeiern.  (…)  

In Kuba gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts Esperanto-Zirkel, die u.a. von Fernando Ortiz unterstützt wurden. (…)

In Zusammenarbeit mit der KEA führen wir gerade die dritte Reihe von „Train-the-Trainer-Seminaren“ in Kuba durch. Eine Gruppe von freiwilligen und erfahrenen Sprachlehrerinnen und Lehrern erarbeiten mit den kubanischen Kolleginnen und Kollegen neue Möglichkeiten für die Vermittlung dieser „Kunstsprache“.

 Gut in Erinnerung geblieben ist mir eine Gruppe von österreichischen Freiwilligen, die mit ihrem Humor mehrere Türen öffneten und mit unerreichter Schlagfertigkeit glänzten. So antworteten die Männer der Gruppe irgendwann stur auf alle „Where are you going?-Einladungen“ kubanischer Strassenschönheiten so: „I’m going to see your mother!“.

 Und als bereits zum fünften mal in einem nur für ausländische Gäste reservierten Hotelrestaurant eine lokale Kapelle an unseren Tisch trat und das Lied „Guantanamera“ anstimmen und schwungvoll lärmig losmusizieren wollte,  fragten Sie flugs den Chefkellner, ob es auf dieser Insel eine offizielle „Reduktion an Musikstücken“ gäbe. Eine „Reduktion“, die neben dem Evergreen „Guantanamera“ einzig „Chan chan“ und  „Comandante Che Guevara“ zulassen würde.

 Damit hatten sie natürlich einen Nerv getroffen: Denn Musik ist in Kuba tatsächlich nicht nur ohrenbetäubender Lärm. Sie ist das Element, in dem die Kubanerinnen und Kubaner leben, arbeiten und Schlange stehen. Ausserdem ist sie das Medium, mit dem die Inselbewohner ihre karibische Freude am Leben und überhaupt ihre sonderbare Lust an infernalischen Klangteppichen feiern.

Als ich bei der Vorbereitung des neues Manuskripts diese alten Textstellen überflog, merkte ich natürlich auch selbstkritisch an, dass hier wohl meine Leidenschaft für das Thema am Grundgedanken der Reduktion deutlich vorbeigeschrammt war. Denn weiter ging es damals im Text:

     Die mitreissenden Rhythmen verdankt die kubanische Musik übrigens ihren afrikanischen Wurzeln: Rumba, Cha-cha-cha, Mambo…das charakteristische Geklopfe, Geklappere, Gerumse und Geraspele wird auf Perkussions-Instrumenten aus Holz und Kürbissen erzeugt. Dazu spielen die Kubaner Gitarre oder Tres (eine kleine Gitarre mit früher drei, heute meist zwei Saiten), gern auch Blasinstrumente, sofern sie genügend laut sind um die anderen Instrumente zu übertönen.

       Die österreichischen Lehrkräfte bemerkten als Erste den für Kuba typischen Wechselgesang von Sänger und Chor. Obwohl sich die unterschiedlichen Stile für ungeübte Ohren alle gleich anhören, sind sie für den „Profi“ leicht zu unterscheiden: Der „Son“ treibt mehr, der „Mambo“ lässt die Hüften und Gedanken kreisen, die „Trova“ und der „Bolero“ sind dem Schmachten gewidmet. In der Salsa schliesslich mischen sich alle kubanischen Stile zu einer scharfen Sauce, erhältlich in den Geschmacksrichtungen „Mango“, „Guave“ und „Süsskartoffel“.

Und hier die Stelle, bei der mir viele Lesende mit Kubaerfahrung lachend zustimmten:

    Doch warum diese irrsinnige Lautstärke? Vielleicht ist es die Absicht der Kubaner, ihrem Erzfeind mit seiner erst unter Obama zaghaft und zaudern leicht gelockerten Wirtschaftsblockade, es musikalisch heimzuzahlen. In dem die Musik grundsätzlich so laut gespielt wird, damit sie auch auf den nahen Bahamas in Zimmerlautstärke hörbar ist…

Lehrerfortbildung II Kuba

Doch zurück zum Schreibprozess: die radikale Reduktion auf 52 Seiten war auch für mich wiederholt eine Herausforderung. Mit dem Verlag vereinbarte ich, den Schwerpunkt auf einen guten Lesefluss zu setzen und den Kerntext von möglichst allen Störfaktoren oder Ablenkungen zu befreien.

Immer wieder rief ich mir dazu die auch im Buch dargestellte Aufgabe „Kernaussagen herausarbeiten“ in Erinnerung. Dabei geht es darum, Aussagen auf ihren Hauptbotschaft hin zu untersuchen und den Text oder eine Power Point Folie entsprechend zu strukturieren. Im Buch sieht das dann so aus:

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Als graphische Illustration für die Arbeit mit Kernaussagen wählte ich das Fotostativ. Bei meinen Trainings in der Schweiz und international habe ich meist ein solches Stativ mit im Gepäck dabei. In allen Kulturkreisen wird rasch die Aussage verstanden: oben, die Kamera, repräsentiert die Haupt- oder Kernaussage. Unten die Beine, stehen für unterstützende Einzelaussagen. Vier Beine, wäre eines zuviel. In aller Regel reicht es, mit einer Dreierstruktur zu arbeiten, um rhetorisch zu überzeugen und das Verständnis zu erleichtern.

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Freude hatte ich auch, dass der Verlag einwilligte, neben den Graphiken wiederholt Rasterblätter, die sich in den von mir verantworteten Weiterbildungen bewährten, leicht verändert einzufügen. Beispielsweise setzten wir zu Beginn ein solches Blatt, um die Bedeutung einer sauberen Standortbestimmung für die Lesenden zu dokumentieren:

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Wie immer beim Schreiben eines neues Fachbuches, waren mir Erfahrungen aus vielen Jahren Training und die kritischen Rückmeldungen der Studierenden und Teilnehmenden wertvoll. Unter anderem baute ich im Buch Rückmeldungen einer Gruppe von Technikern und Ingenieuren ein, mit denen ich in Shanghai intensiv zum Thema „Reduction und Presentation Techniques“ gearbeitet habe.

Fazit: das neue Buch liest sich rasch und leicht.  Es liefert leicht umsetzbare Hinweise, Tipps & Tricks, wie eine Präsentation oder Lerneinheit ansprechend und auf den Punkt gebracht vorbereitet werden kann. Den Lehrenden und Vortragenden vermittelt dieses Vorgehen Sicherheit und eine bessere Übersicht; den Lernenden vereinfacht es den Zugang zum Thema.

Wer das Buch kauft, erhält zudem Zugang zum Download-Bereich des Verlages, wo ich weitere praktische Checklisten zur Suche lizenzfreier Bilder und Auftrittskompetenz abgelegt habe. Ich freue mich, wenn das Buch wiederum gute Aufnahme bei Fachkolleginnen und Fachkollegen findet und einen Beitrag zur Professionalisierung der Bildungsarbeit leistet.

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Teilnehmende an der Vernissage zum Buch „Reduziert gewinnt“ im 2015.

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