Das Offensichtliche entfernen und das Sinnvolle zufügen

Simplicity. Prinzipien der Einfachheit. So lautet ein auch für Bildungsfachleute interessantes Sachbuch des Schweizer Autorentrios Chris Brüggen, Michael Hartschen und Jiri Scherer.

Einfachheit, Klarheit, Übersichtlichkeit…wer sehnt sich im modernen Leben nicht danach? Im Mittelpunkt des hier besprochenen Buches stehen diese fünf Prinzipien, die auch den Aufbau des Buches bestimmen:

1.    Restrukturieren
2.    Weglassen
3.    Ergänzen
4.    Ersetzen
5.    Wahrnehmen

Zu Beginn jedes Kapitels stellen die Autoren die einzelnen Prinzipien kurz vor und erläutern sie dann mit maximal drei „Massnahmen zur Vereinfachung“. Und wie in einem guten Workshop endet jedes Kapitelende mit einer Transferübung, um das Gelernte zu vertiefen und für den eigenen Arbeitsbereich nutzbar zu machen.

Da ich seit einigen Jahren selber in der Schulung und Vermittlung von „Einfachheit“, sprich: Didaktischer Reduktion, tätig bin, hat mich der auf industrielle Produktion und Dienstleistungsunternehmen ausgerichtete Fokus dieses Buches interessiert. Auch wenn bei mir die Ausgangslage etwas anders ist, denn ich arbeite vielfach mit Ausbildungsleitenden und Bildungsabteilungen, die ganz dem Titel dieses Blogs entsprechend über „Viel Stoff und wenig Zeit“ klagen und überflüssige und redundante Inhalte aus Ihrem Unterricht aussieben möchten, aber trotzdem die wichtigsten Lerninhalte ansprechend und einprägsam vermitteln wollen.

Das Buch behandelt dieses Aspekte nur am Rande und nach meiner Erfahrung reicht eine Buchlektüre dazu auch nicht aus. Für didaktische Reduktion braucht es vielmehr eine Auseinandersetzung mit den Inhalten des Fachgebietes, zum Beispiel in einem Training oder in einer Beratung. Trotzdem sind viele in „Simplicity“ erwähnte Prinzipien adaptierbar, da Bildungsarbeit ja auch einer Prozessdienstleistung entspricht, die Potential für Vereinfachung bietet.

Kritisieren könnte ich bei diesem Buch die Tatsache, dass die Fachwörter erst ganz hinten sauber definiert werden; aber da ich meine Bücher sowieso oft vom Stichwortregister her starte, hatte ich keine Probleme damit. Schade finde ich aber, dass die gleich zu Beginn aufscheinenden Begriffe „komplex“ vs. „kompliziert“ nicht definiert werden, denn nach meiner Wahrnehmung scheitert der Erfolg von Produkten und Dienstleistungen oft an Letzterem. Meine Blogseite darf ruhig komplex sein, ich wünsche mir aber eine Bedienung, die nicht kompliziert sondern…einfach ist!

Fazit: Ich empfehle das klug strukturierte und angenehm zu lesende Buch allen Personen, die Strategien für einfach anzuwendende, an den Kundeninteressen ausgerichtete Produkte und Dienstleistungen suchen. Wie die Autoren übrigens freimütig anmerken, stammen viele ihrer Ideen aus dem 2007 erschienen, gleichnahmigen Buch des Japaners J. Maeda:

„Simplicity is about subtracting the obvious, and adding the meaningful“. Dies ist auch der Grund, warum ich die Übersetzung oben als Titel dieser Rezension nutzte.

Simplicity. Prinzipien der Einfachheit. Erschienen im September 2011
Gabal Verlag, 2011, ISBN 978-3-86936-245-8

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