Buchkritik: miminal lernen von Regina Hunter

Viel Stoff, aber wenig Zeit, beschäftigt wohl viele, wenn nicht alle Bildungsfachleute, aber in erster Linie natürlich Lernende, also Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Regina Hunter legt mit ihrem Titel ein handliches und aussagekräftiges Arbeitsbuch zum Thema vor. Sie schlägt minimales Lernen vor und meint damit einerseits den Lernstoff nach den Funktionsweisen des Gehirns aufzubereiten und andererseits die Motivation zum Lernen durch eine Reduktion des Lernstoffes auf das minimal Wichtige nicht zu überstrapazieren. Überraschend setzt sie für den Lernerfolg zu diesen zwei Elementen ein drittes dazu:  für das Lernen nur minimale Zeit zu gewähren.

Da ich selber seit einigen Jahren „didaktische Reduktion“ unterrichte und in Institutionen und Firmen entsprechende Schulungen leite, hat mich dieses Buch besonders interessiert.

Denn noch immer gibt es im deutschsprachigen Raum -mit Ausnahme von M. Lehner- kaum Beiträge zu diesem wichtigen Thema. Das vorliegende Buch versucht diese Lücke zu schliessen und bietet neben Hinweisen zu aktuellen neurobiologischen Forschungsresultaten eine Aufzählung der wichtigsten psychologischen Grundlagen erfolgreichen Lernens. Dabei spannt es den Bogen weit, von der Primarschule bis zur Erwachsenenbildung auf Hochschulstufe. Mir gefällt die Grundhaltung der Autorin, Bildungsarbeit als Beziehungsarbeit zu verstehen. So folge ich auch gerne ihrem Fazit, Lernerfolg gelinge letztlich am besten, wenn die Lernenden ermutigt werden einen innovativen, unkomplizierten, sie nennt es auch frechen Umgang, mit Wissen zu pflegen.

Das Buch gliedert sich nach einer Einleitung in drei Kapitel, mit den Überschriften

  1. Mastering Oberhand gewinnen
  2. Das Minimale und
  3. Minimale Zeit bereitstellen.

Anschliessend folgt im Kapitel „Diskussion“ eine interessante Überleitung zu den Herausforderungen der Wissensgesellschaft und zur Forderung nach Teilhabe der Individuuen an dieser Gesellschaft. Hunter zitiert dabei Schlüter (2009):

„Bildung liefert Orientierungswissen in einer komplexen Welt. Wer nichts weiss, muss alles glauben.“

Lesenswert auch Ihre Beschreibung von Schulerfolg als starker Faktor der Resilienz, wo sie erneut die Bedeutung einer guten Beziehung zwischen Lehrperson und Lernenden herausstreicht.
Die Autorin schliesst mit einem „Ausblick“ und führt nochmals die Notwendigkeit von Innovation, aber auch die Bedeutung von Vernetzung und Inspiration für kommende Generationen aus. Sie zitiert Scharmer (2009) und meint, wir befänden uns „zunehmend in einer Situation, in der wir immer häufiger mit Herausforderungen und Veränderungen konfrontiert sind, denen mit den Denk- und Verhaltensmustern der Vergangenheit nicht beizukommen ist und die Deshalb ein Umdenken und einen neuen Ansatz notwendig machen.“

Wobei Einstein dies schon mal einfacher (auch wenn sprachlich evt. missverständlich) ausgedrückt hat:

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

Fazit: Ein sorgfältig recherchiertes und praktisch umsetzbares Buch, geeignet für Bildungsfachleute, Schulleitende und Eltern, die für Kinder und Lernende „entgegenkommende Verhältnisse“ (Jürgen Habermas) schaffen wollen und die Bedeutung einer klugen, didaktischen Reduktion erkannt haben.

ISBN 978-3-03905-731-3, hep Verlag, November 2011, 68 Euro

http://www.amazon.de/minimal-lernen-Regina-Hunter/dp/3039057316/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1325709821&sr=8-1

2 Gedanken zu „Buchkritik: miminal lernen von Regina Hunter

  1. Danke für diesen interessanten Hinweis. Ihre Rezension auf Amazon habe ich auch gelesen. Jetzt schau ich mal, ob ich dieses Buch hier in Hamburg in der Bücherei finde. Mir gefällt der von Frau Hunter empfohlene Ansatz, gemäss dem Lernen (eine minimale) Zeit braucht. Für mich würde auch Regelmässigkeit dazu gehören. Gerade wer mit Jugendlichen arbeiten und ihnen die Bedeutung dieser Regelmässigkeit vermitteln und auch vorleben kann, hat viel erreicht.

    Auf Ihre nächsten Beiträge hier in diesem Blog freut sich

    Susanne Pfeiffer

    PS: Führen Sie Ihre Trainings zum Thema Didaktische Reduktion auch in der Gegend von Hamburg durch und eigen sich diese Trainings auch für Leute, die in der Jugendarbeit tätig sind?

  2. Danke für diese hilfreiche Buchbesprechung. Ich habe mir das Buch bereits bestellt. Der Zugang, den Frau Hunter wählt, finde ich sehr überzeugend. Mir wird das Buch Anregungen für meine eigene Lehrtätigkeit liefern. Im Anschluss bestelle ich dann ihr neues Fachbuch „Reduziert gewinnt!“.
    Danke für Ihre didaktische Arbeit und Grüsse aus Wien
    J. Spiegl

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